Bischöfle & Rottweiler

 

Die ältesten Haigerlocher Masken “Bischöfle” und “Rottweiler“, die um die Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden sein dürften, gehören zu den besten Exemplaren von Glattlarven und zählen damit zu den ältesten vorhandenen Masken der schwäbisch-alemannischen Fasnet.

Beim Stadtbutz, beim Bischöfle und beim Alten Rottweiler existieren noch Exemplare in Privatbesitz, deren Holzlarven wohl aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und deren Narrenkleider vom Ende des 18. oder vom Anfang des vorigen Jahrhunderts stammen.

Die Masken wurden vermutlich in der Werkstatt der Rottweiler Dominikaner geschnitzt und durch verwandtschaftliche Beziehungen nach Haigerloch gelangt. Denn 1760 bis 1762 malte der Haigerlocher Franz Josef Marmon (1724-1776) als Mitarbeiter des hohenzollerischen Hofmalers Meinrad von Ow, der in der Rottweiler Dominikanerkirche Hochaltar und Seitenaltäre schuf. Zur derselben Zeit war sein in Haigerloch geborener Vetter Franz Xaver Marmon (1727 -1798), dem Enkel italienischer Einwanderer, in Rottweil Wirt im >>Roten Ochsen<< und Narrenzunftmeister.

Die Maske des Bischöfle war vermutlich gar nicht für das Tragen an der Fastnacht bestimmt, sondern für den alten Brauch des Kinderbischofs, der am Tage der unschuldigen Kindlein (am 28. Dezember) geübt wurde. Fine andere Deutung spricht davon, dass in der Fasnet des Jahres 1763 der Maler Johannes Steimer, ein Berufskollege des aus Haigerloch stammenden Maler Franz Josef Marmon, als „Bischof“ durch die Wirtshäuser der Stadt gegangen ist und in der „Blume“ der Narrengemeinde die Firmung erteilt hat.

Die Masken “Bischöfle” und “Rottweiler” gehören beide zweifellos zum spätbarocken Typus der geschlechtslosen Glattlarven. Beide unterscheiden sich praktisch nur durch die Maske, da die Züge des “Rottweiler” durch Grübchen und Falten wesentlich ausdrucksvoller gestaltet sind als beim Bischöfle.

Das Häs aus ungebleichtem Leinen ist mit hochkantstehenden bunten, rautenförmigen Stoffblätzle besetzt. Eine Besonderheit im schwäbisch-alemannischen Raum stellt zudem das Rokoko-Hütchen mit hinterem Hutrand und dem Federbusch dar.

Die Herkunft des Sammelbegriffs “Grombiradrucker” im Haigerlocher Sprachgebrauch ist für beide Maskengestalten ist nicht mehr feststellbar. Nachdem früher jedoch jeder Butz eine eigene Bezeichnung hatte, liegt die Vermutung nahe, dass die Bezeichnung für eine Einzelmaske schließlich zum Sammelbegriff wurde.
Früher trugen die Maskenträger in der Regel noch ,,Saublodra“, heute sind es überwiegend Rätschen, aber auch vereinzelt noch Federwische und Karbatschen.