Die Zunft

Die Zunft : Entstehung – Entwicklung – Heute

Der Beginn einer organisierten Fasnacht in Haigerloch ist wohl auf das Jahr 1885 zu datieren, als in den Hohenzollerischen Blättern zum erstenmal von einem Narrenvorstand zu lesen ist, unter dessen bewährter Leitung am Fasnachtsdienstag eine “Bauernhochzeit” zur Aufführung gelangte. Auch im darauffolgenden Jahr wurde eine “Narrenkommission” gewählt, die die Fasnacht gestalten sollte. Dieses “Narrenkommitee Haigerloch” tritt dann bis Ende des Jahrhunderts immer wieder in Erscheinung.

Praktisch in der Nachfolge dieses Narrenkomitees gründete sich am 5.2.1906 im “Scharfen Eck” ein “Carneval-Verein Haigerloch”, der sogleich über 100 Mitglieder zählte und aus dem später die Narrenzunft Haigerloch werden sollte. Zur damaligen Zeit war der Einfluss des Karnevals auch in anderen Narrenorten sehr stark, sodass die Namenswahl nicht außergewöhnlich ist. Der Carneval-Verein war ein sogenannter wilder Verein ohne festen Statuten. Die Finanzierung der Veranstaltungen wurde durch jährliche Beitragssammlungen ermöglicht. Neben Maskenzügen und Aufführungen wurden insbesondere Familienabende und Maskenredouten durchgeführt sowie Narrenzeitungen herausgegeben.

Nachdem die Fasnacht während des Ersten Weltkriegs ruhte, wurden in den Folgejahren regelmäßig Polizeiverordnungen erlassen, die Verbote für Fasnachtsveranstaltungen im Freien sowie für das Tragen von Masken und Verkleidungen enthielten. Diese erschwerten es der Fasnacht, wieder in Tritt zu kommen. Allerdings konnte für das traditionelle Bräuteln im Jahre 1924 bei den Behörden eine Ausnahmegenehmigung erreicht werden.

1925 wurde dann schließlich der eingeschlummerte Carneval-Verein wieder aktiviert, doch hatte dieser auch in den nächsten Jahren weiter gegen behördliche Verbote anzukämpfen, um wenigstens die traditionellen Fasnachtsmontagsveranstaltungen unter freiem Himmel abhalten zu können. Bereits 1927 stellte der damalige Vorstand des Carneval-Vereins zusammen mit dem Bürgermeister den Antrag in die drei Jahre zuvor gegründete Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte aufgenommen zu werden. Die Aufnahme erfolgte in der Hauptversammlung der Vereinigung am 30.11.1930 in Oberndorf und der Verein benannte sich in “Narrenzunft Haigerloch” um.

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In den 30er Jahren kochte die Fasnacht aus gesamtwirtschaftlichen Gründen auf Sparflamme und kam dann nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Gründung eines provisorischen Elferrats 1948 langsam wieder in Gang. Dabei war die Teilnahme am Narrentreffen der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte 1952 in Rottenburg mit Elferrat, 31 Bräutelbuben, 5 Fledermäusen und 7 Butzen sicherlich ein Höhepunkt. Um diese Zeit wurde damit begonnen, die vorhandenen Butzen um weitere Masken und Narrenkleider zu vermehren. Ein Teil der damals von dem Haigerlocher Max Kaiser geschnitzten Masken wird heute noch getragen.

Eine neue Ära wurde dann im Jahr 1962 eingeleitet. Bis zu dieser Zeit wurde jedes Jahr der Vorstand neu gewählt; Mitglied wurde, wer sich im jeweiligen Jahr in die Zeichnungsliste eintrug und einen Mitgliedsbeitrag entrichtete. Am 20.1.1962 wurde dieser “wilde Verein” in einen eingetragenen Verein (e.V.) mit festen Statuten umgewandelt, der auf Anhieb 166 Mitglieder zählte.

Erfolgreich wurden 1965, 1973, 1981, 1995, 2006 die Narrentreffen der Fasnetslandschaft Neckar-Alb ausgerichtet, die jeweils Tausende von Teilnehmern nach Haigerloch brachten. Große Enttäuschung herrschte hingegen, als wegen des Golfkriegs 1991 das Narrentreffen unmittelbar vor Beginn abgesagt werden musste. Doch zahlreiche Spenden halfen, ein finanzielles Debakel für die Zunft zu verhindern.
Die Narrenzunft Haigerloch ist heute mit über 300 Mitgliedern, davon etwa 130 Aktiven, einer der größten Vereine der Stadt. Sie sieht ihre Hauptaufgabe in der Organisation der Haigerlocher Fasnet unter besonderer Berücksichtigung der historischen Bräuche sowie der Erhaltung und Pflege des überlieferten Masken- und Häsbrauchtums. Daneben nimmt die Zunft an auswärtigen Narrentreffen teil, um dort das Haigerlocher Fasnachtsbrauchtum zu präsentieren.

Geführt wird die Zunft von einem alle zwei Jahre von der Hauptversammlung gewählten Narrenrat, der in der Regel 12 bis 14 umfasst und an dessen Spitze der Zunftmeister steht.

Die Narrenzunft Haigerloch ist Mitglied der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte, der ältesten und bedeutendsten. Nach deren Regionaleinteilung bildet sie zusammen mit 11 weiteren Traditionszünften die Fasnetslandschaft Neckar-Alb.

Außerhalb der närrischen Zeit ist die Narrenzunft mit dem Aufstellen des Maibaums am 30. April, der Maiwanderung am 1. Mai und weiteren öffentlichen Veranstaltungen aktiv.