Bräuteln in Haigerloch

 

Alle 4 Jahre (jeweils im Schaltjahr) wird in Haigerloch das Bräuteln durchgeführt. Zum Auftakt wird am „Auseliga Dauschdeg“ zu diesem traditionellen Brauch öffentlich ausgerufen, indem das „Brautpaar“ (zwei als Braut und Bräutigam verkleidete Bräutelbuben) und zwei weiteren Bräutelbuben mit Trompete, in einer Kutsche durch die Stadt fahren, gefolgt vom Rest der Bräutelgesellschaft.

An verschiedenen Plätzen erfolgt das „Ausrufen des Bräutelns“ durch die öffentliche Verkündigung folgender Einladung:

 

„Der Bevölkerung von Haigerloch wird hiermit kundgetan, dass am Fasnetsmontag wieder das historische Bräuteln stattfindet. Gebräutelt werden alle Mannsleut, die in den letzten vier Jahren zugezogen sind, gebaut, oder geheiratet haben. Alle Bräutlinge haben sich am Fasnetsmontagmorgen auf dem Marktplatz einzufinden. Bei Nichterscheinen erfolgt zwangsweise Vorführung durch die Polizei.“

 

Diese Einladung wird danach auch schriftlich jedem „Bräutling“ (dem geladenen Kandidat) überreicht.

 

Sollte ein Kandidat den Ritt auf der Stange nicht wagen wollen, kann er sich durch den vorherigen Freikauf der Prozedur entziehen. Allerdings muss er dann einen Obolus im Wert von zwei schlecht gebratenen Göckele entrichten.

 

Am Fasnetsmontag, dem eigentlichen Tag des Bräutelns, wird die Bevölkerung in aller Frühe von der Stadtkapelle und der Bräutelgesellschaft geweckt. Dabei wird dem Zunftmeister, dem Bürgermeister, den Pfarrern und den Goldenen Hochzeitspaaren jeweils ein Ständchen gebracht. Anschließend geht‘s auf den Marktplatz.

 

Hier werden die Bräutlinge dann auf der drei Meter langen Bräutelstange unter den Klängen des Bräutelmarsches, hundertfach gespielt von den Musikanten der Stadtkapelle, dreimal um den Brunnen getragen. Dabei werfen sie Brezeln und Süßigkeiten an die Zuschauer aus.

 

Zum Abschluss wird den Gebräutelten die linke Fußspitze in das Wasser vom Marktplatzbrunnen getaucht, als symbolische Aufnahme in die Haigerlocher Narrengemeinschaft.

Sollte sich ein „Bräutling“ nicht freiwillig melden, so muss der „Bolezei“ nachhelfen.

 

Bräutlinge, die sich auf der Bräutelstange im Sinne der Bräutelbuben „schlecht“ benehmen, laufen durchaus Gefahr, dass sie manchmal ein Bad im kalten Wasser des Marktbrunnens nehmen müssen.

 

Zur Belustigung der Zuschauer sind verschiedene Bräutelkandidaten auch bestrebt, immer wieder den Ablauf zu stören. Dabei wurden schon etliche Versuche unternommen, die Kasse, oder die Bräutelstange zu entwenden, was nach ungeschriebenem Gesetzt zum sofortigen Einstellen des Bräutelns führen würde und für die Bräutelgesellschaft eine große Schande bedeutet.

 

Mit dem zwölften Glockenschlag vom Römerturm, der steil über dem Felsen vom Marktplatz thront, ist das Bräuteln beendet.

 

Nachmittags bewegt sich dann der Bräutelumzug durch die Stadt. Daran beteiligten sich die Fasnachtsgruppen aus dem Städtle, angeführt von den Bräutelbuben in Begleitung ihrer Mädchen, gefolgt von den „Grombiradrucker“ (Butzen) der Narrenzunft und den Bräutlingen vom Vormittag, sowie viele weitere Gruppen und ausgewärtige Narrenzünfte.

 

Zum Abschluss werden verdiente Bräutelbuben geehrt.

In Haigerloch freut man sich dann schon wieder auf das Bräuteln in den nächsten vier Jahren.

 

Natürlich sind die Bräutelbuben der Bräutelgesellschaft in jeder Fasnet aktiv, außerhalb des Haigerlocher Bräutelns sieht man die Bräutelbuben bei vielen anderen fasnächtlichen Gelegenheiten, d.h. als Teil der Narrenzunft bei allen örtlichen Veranstaltungen und bei jeder Teilnahme der Narrenzunft an Narrentreffen und Umzügen, wobei das Bräuteln in einer etwas anderen Form (ohne Brunnen) dargestellt wird.

Bräuteln-2016_Hartwig_Eger